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Doepfer

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Marke Doepfer

Doepfer

Dieter Doepfers (Dieter Döpfer) erster Kontakt mit der Musikwelt versprach auch sein letzter zu werden. Als Doepfer 1972 sein Physikstudium in München begann, hatte er lange schon das Akkordeon zur Seite gelegt und zur Gitarre gegriffen. Langweilig sollte es nicht mehr werden und so bastelte der Student Phaser und Wahwahs für Gitarre.

Eher zufällig stieß er dabei in ein Gebiet vor, das ihn fortan nicht mehr loslassen würde. Synthesizer.

"Das waren damals ja noch weitgehend unbekannte Geräte. Man kannte zwar Moog und später auch Roland und ARP, aber von der Technik war noch wenig bekannt". Der wirkliche Durchbruch kam mit dem Formant.

Der Formant, ein Selbstbausatz der Zeitschrift Elektor aus dem Jahr 1977, war ein analoger Modul-Synthesizer. Für viele war das Gerät damals der erste Kontakt zur Welt der synthetischen Klangerzeugung. Für Doepfer war der Formant das Sprungbrett zum Erfolg. Für den klobigen Soundsaurier konstruierte der Wahlmünchner ein spannungsgesteuertes Phasermodul und bot es in einer zweizeiligen Kleinanzeige an. Später ging er dazu über, sämtliche Module selber zu bauen. Aber als Einstieg in die Grundlagen der Synthesizertechnik war der Formant genial.

Gerade einmal das Physikdiplom in der Tasche, landete Doepfer zum Zivildienst in einem großen Münchner Krankenhaus. Ein Glücksfall, von dem der Unternehmer heute noch profitiert: Nach ein paar Wochen Bettenschieben, wurde er von der Augenabteilung angefordert. Denn für Laseroperationen am Auge brauchten Sie einen Physiker.
Diese Augenabteilung hatte ein eigenes Entwicklungslabor, in dem Spezialelektronik konstruiert wurde. Doepfer: "Wenn nichts zu tun war - und es war wenig zu tun - dann entwickelte ich halt Synthesizerschaltungen. Für den Oberarzt sah ja ein Schaltplan aus wie jeder andere".

Was herauskam, war Doepfers erstes komplettes Synthesizer-System, das PMS (Polyphones Modul System). Die jeweils vierstimmigen Module waren allerdings nur als Bausatz oder in Form bestückter Platinen erhältlich. Das PMS war wirklich nur was für Bastler.

Ende 1982 kam Doepfers Voice-Modular-System (VMS) auf den Markt. Von diesem Zeitpunkt an konnte der junge Physiker von seinem Geschäft leben. Das VMS bestand aus einer Karte mit zwei VCOs, VCF, VCA und zwei ADSR-Hüllkurvengeneratoren. Die Erweiterungskarte dafür war mit VC-LFOs ausgestattet, dazu gab es noch ein Interface für Commodore PET4000 später für den Homecomputer-Klassiker C-64.

Die gesamte Klangerzeugung war aus Spezial-Chips von Curtis Electronic Music Specialties (CEM) aufgebaut, die jeweils fast ein komplettes Synthesizermodul integrieren. Nach einigen Verhandlungen mit CEM-Chef Doug Curtis übernahm Doepfer die Europavertretung für die exotischen Chips, die bis dahin nur sporadisch als Ersatzteile importiert wurden.

Die Firma Doepfer brachte noch 1984 passend zum VMS eine 8-Bit-Samplerkarte auf den Markt. Darauf folgte eine Loop-Karte und ein Computer-Interface.

Später verlegte sich der Tüftler Doepfer darauf, Keyboards zu bauen. Ergebnis: LMK1, ein einfaches Masterkeyboard. Eigens dafür entwickelte er gemeinsam mit der Firma Böhm den E-510-Chip. Fast ein Jahrzehnt lang bot er hinter den Doepfer-Tasten den Konkurrenten die Stirn:

Finanziell stellte der Einstieg in den Keyboardbau den Durchbruch für die Firma dar. Produktion und Vertrieb platzen aus allen Nähten, das einstige Einmann-Unternehmen war erwachsen geworden: Lebensgefährtin Sibille Heller stieg in den Vertrieb ein, Matthias Marrass bei der Keyboard-Produktion, Christian Assall übernahm die Programmierung.
So mauserten sich die Masterkeyboards zum Hauptprodukt, das zwar gutes Geld einbrachte, den Elektroniker in Dieter Doepfer aber unterforderte. Im Sommer 1994 siegte die innere Stimme, ein analoger Synthesizer entstand: Der MS-404

Die Idee zum Modularsystem reifte, nachdem immer mehr Kunden nach einem zweiten VCO oder weiteren ADSR-Generator für dem MS-404 fragten. Auch am Gebrauchtmarkt herrschte rege Nachfrage nach den alten Modellen. Zwei Gründe für Doepfer, in diese Kerbe - wenn auch sehr vorsichtig - zu schlagen.

Auch schon die nächsten Module (Sampler, Quantizer, Wavetable-Modul, Subharmonischer und Harmonischer Generator) des A-100 werden in der Hauptsache mit digitaler Signalerzeugung realisiert.

Ob digital oder analog, rechnergesteuerte Kirchenorgeln oder MIDI-Handschuhe - unvorstellbar scheint im Hause Doepfer nichts zu sein. Jedenfalls fast nichts.